Hänschen klein, ging allein ... Teil 1

Hänschen klein, ging allein ... Teil 1

Ich sitze da und starre ihn wortlos an ...
Nein, nicht meinen Sohn Tim, sondern seinen Koffer. 

Ein toller Koffer: Aus echtem Schweinsleder, robust bei Wind und Wetter, mit zwei Riemchen dran und einem Zahlenschloss. 

666, so lautet der Code. Einfach zu merken, vor allem für so kleine Teufelchen, wie meine Freundin Heidi ihre Kinder immer nennt. Diesen Koffer hatte ich zeitgleich mit dem Koffer gepackt, den ich zur Entbindung mit ins Krankenhaus nehmen wollte. Heidi, selbst schon Mutter, hatte keine Gelegenheit ausgelassen, mich während der gesamten Schwangerschaft auf das vorzubereiten, was danach kommen würde. 

„Am besten packst du gleich einen Koffer, damit du deinen Sohn mit 18 rausschmeißen kannst!“, waren immer ihre letzten Worte am Ende eines jeden Vortrags über ihr gestresstes Mutterdasein. Und da sie meine beste Freundin ist, und selbst drei von diesen Exemplaren zu Hause rumrennen hat, hatte ich mir ihren Rat zu Herzen genommen und sofort einen „Auszugskoffer“ für mein damals noch ungeborenes Kind gepackt. 

Schließlich musste sie es ja am besten wissen. 

Im Koffer enthalten waren: 

  • Zwei Rollen Toilettenpapier (falls er mal im Freien schlafen müsste), 
     
  • Drei Paar Socken von meinem Mann, Größe 42 (die sucht er heute noch), 
     
  • Vier Unterhosen von meinem Mann, Größe M (die sucht er komischer weise nicht mehr!?), 
     
  • Einen Dosenöffner plus eine Dose Ravioli (was ich mir dabei gedacht habe, kann ich selbst nicht mehr nachvollziehen), 
     
  • Streichhölzer, falls er sich ein Feuer machen müsste (hoffentlich zündet er damit nicht aus Wut mal unser Häuschen an ... ), 
     
  • Ein Handtuch mit Bärchen (zu viele Schwangerschaftsglückshormone!),
     
  • Camping-Besteck aus meiner Interrailzeit (das waren noch Zeiten!),
     
  • Eine Taschenlampe, für den Fall, dass ich ihn nachts vor die Tür setzen würde, 
     
  • Eine „Mama ist die Beste!“ -Tasse (vielleicht würde er ja dann bereuen?),
     
  • Ein Bosch-Waschmaschinen-Prospekt mit einem „!“ bei Modell „XL739“ mit 1300 Umdrehungen (alles andere wäre rausgeschmissenes Geld, oder?),
     
  • Einen Stadtplan mit einem roten Kreuz auf unserem Haus und dem pas senden Busfahrplan dazu, nur falls er sich in seinem Frust einen hinter die Binde kippen und wochenlang planlos umherirren würde.
     
  • Und zu guter Letzt natürlich noch das Schildchen mit seinem Namen und seiner Anschrift. Vielleicht hatte ich deshalb meinen Mann so gedrängt, dass wir uns schnell auf einen Namen einigen. Ich wollte einfach alles so früh wie möglich in geregelten Bahnen wissen. Das Namensschild sollte ausgefüllt sein, noch bevor ich ins Krankenhaus musste, soviel stand fest. Vielleicht hätte ich später keine Zeit mehr für solche Dinge, oder würde es vergessen? Wer weiß?Und ich möchte nicht, dass mein armes Kind auf Grund grober Fahrlässigkeit seiner Eltern, bei einer eventuell auftretenden Amnesie, bedingt durch den Schock der Verstoßung seiner Erzeuger, äh... wo war ich jetzt? Egal!
    Na ja, jedenfalls sollte der Bub‘ immer wissen, wo er hingehört. 

Ende Teil 1

Eure Silv

 

Unsere Gastautorin Silvia Pommerening schreibt bei uns über lustige und lehrreiche Erfahrungen aus dem Kreißsaal sowie alltäglichen Erlebnissen aus ihrem Leben als Mutter. Ihre Bücher 'Wir haben Wehen! - Mythen und Irrtümer aus dem Kreißsaal' sowie 'Mit "ohne" Hände - Lach und Krachgeschichten aus dem Kinderzimmer' sind im Wendepunkt Verlag erschienen. Mehr über Silv erfahrt ihr auf www.wirhabenwehen.de

Hänschen klein, ging allein ... Teil 2

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Barbies auf einem Daddyblog? - oh yes…*

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