Ich bin gescheitert...

Ich bin gescheitert...

Hallo ihr Lieben, auf fast allen InstagramAccounts liest man zur Zeit von bockigen, trotzigen und mies gelaunten kleinen Kids.

Auch wenn Minou in den Instastorie meistens freundlich und lieb ist, kann ich euch alle beruhigen, denn auch unser #supergirlminou macht diese „Phase“ gerade durch. Phase, was ein blödes Wort, bei Kindern hat man oft das Gefühl, die Phase muss 18 Jahre dauern;-).

Letzte Woche gab es mindestens zwei Momente, in denen ich sang- und klanglos gescheitert bin.

Meine Frau war die ganze letzte Woche in der Nähe von Köln auf einem Seminar und ich war somit mit Minou alleine.

Ok, mein Zeitmanagement war ganz große klasse, da muss ich mich mal selbst loben. Wie meine Tage ausgesehen haben? Ganz unspektakulär. Um 05:00 Uhr hat mein Wecker geklingelt und ich habe mich bis 05:30 Uhr fertig gemacht, Minous Frühstück vorbereitet und ihre Klamotten rausgesucht. Dann habe ich die Kleine geweckt, was wahrlich kein Zuckerschlecken war, denn Begeisterung für frühes Aufstehen entwickelt unser Mäuschen maximal am Wochenende.

Ach, aber ich wollte euch ja von meinem Scheitern erzählen und nicht von meiner Routine.

Es war am Donnerstag, eigentlich ein toller Tag, denn es schien die Sonne. Minou habe ich gegen 16:30 aus der Kita abgeholt, nach einem 8-Stunden-Tag im Büro. Weil so schönes Wetter war, sind wir noch auf den Spielplatz gefahren und haben Sandburgen gebaut, sind gerutscht und natürlich geschaukelt. Die Kleine war zuckersüß und echt gut drauf. Also haben wir nach ca. einer Stunde unsere Sachen gepackt und sind nach Hause gefahren, denn es stand noch einiges auf dem Zettel, Abendbrot vorbereiten, Kind duschen, mit Felix spazieren gehen und dann Minou ins Bett bringen.

Doch kaum waren wir zu Hause, ging das Drama los. Wie immer haben wir ausgiebig die Hände gewaschen und wenn Minou auf ihrem „Learning-tower“ steht und Hände wäscht, bedeutet das immer, dass die komplette Küche unter Wasser gesetzt wird - nicht weiter schlimm. Nachdem wir fertig mit Hände waschen waren, hat Minou (auch wie jeden Tag) ihr Küchenpapier, mit dem sie sich die Hände abgetrocknet hat, in den Müll geworfen. Soweit so gut. Aber Pustekuchen, denn Minou wollte jetzt auch unbedingt unseren Mülleimer sortieren. Das ging mir dann doch etwas zu weit und ich hab versucht, ihr zu erklären, dass der Müll „bäää“ ist, aber leider vergeblich. Minou warf sich auf den Boden, fing an zu schreiben, als ob man ihr den Blinddarm ohne Narkose entfernen wollte und steigerte sich immer weiter rein, so weit, dass sie in den Schreipausen keine Luft mehr holte. Was tun? Ich versuchte es mit Ablenken, also ab auf die Spielfläche und versuchen, mit Türmchen bauen die Stimmung zu verbessern. Was soll ich sagen, der Versuch ist kläglich gescheitert. Auch die Versuche, ein Buch anschauen und zu malen, waren nicht von Erfolg gekrönt.

In mir kam der Wunsch nach 5 Minuten Ruhe, nach 5 Minuten für mich auf. Minou war immer noch am schreien. Am liebsten hätte ich mich im Bad eingeschlossen. Ich hatte Kopfschmerzen, war hundemüde und hatte noch einen Berg an Aufgaben vor mir. Ehrlich gesagt wünschte ich mir Hilfe, die war nur leider nicht zu sehen. Ich setzte mich auf die Couch, Minou schrie immer noch und lag auf ihrer Spielwiese. Ich war gescheitert.

Mir fehlte einfach die Kraft, gegen ihr unaufhörliches Schreien anzusprechen. Jede Erklärung, Beruhigung oder Beschwichtigung scheiterte. 

Es tat mir so unendlich leid, dass mein kleines Supergirl herzzerreißend weint, ich wusste aber einfach nicht, wie ich sie in diesem Moment beruhigen sollte. 

Shit, dachte ich, nicht mal 4 Tage allein mit meinem Kind, und schon bin ich am Ende.

Kurz darauf kam die Kleine zu mir auf die Couch und in den Arm und kuschelte sich an mich. Wir saßen 10 Minuten einfach so da, Minou in meinem Arm, ganz erschöpft von ihrem Wutanfall. Sie streichelte, wie sie es immer tut, über meinen Handrücken und es fühlte sich wie eine Art Entschuldigung an. Dabei musste sie sich nicht entschuldigen, sondern eigentlich ich. Ich weiss ja, dass es den Kleinen nahezu unmöglich ist, Situationen zu bewerten, Gefühle zu kanalisieren und sich nicht in etwas reinzusteigern. 

Gerade, wenn man selbst angeschlagen oder erschöpft ist, wird es umso schwerer, seine eigenen Gefühle nicht nach außen zu tragen und sich 100% ins Kind herein zu versetzen.

Genau das ist es aber, was von Eltern verlangt und erwartet wird. 

Nach unserer kurzen gemeinsamen Kuschel-Auszeit hab ich die Kleine gefragt, ob wir jetzt essen wollen und bekam ein freundliches „Ja“. 

Von dem Moment haben wir den Rest gut über die Bühne bekommen.

Ich ziehe nun noch mehr den Hut vor allen alleinerziehenden Eltern da draußen. Im Nachhinein betrachtet, war es sogar gut, dass der Tag genauso gelaufen ist, denn, wie so oft im Leben, lernt man ja aus Scheitern dazu. 

Vorher hätte ich niemals gedacht, dass diese Situation so real und ungefiltert auf uns zutreffen könnte. #superdaddyundso

Jetzt sitze ich an Strategien für das nächste Mal, denn eines ist sicher, diese Situation wird uns in der Zukunft noch häufiger ereilen.

Euer

Bo

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