Mama, liebst du mich eigentlich?

Mama, liebst du mich eigentlich?

Mein Name ist Katharina. Ich bin 31 Jahre alt und stolze Mutter von Leonard. Nachdem ich letztens den Artikel der Psychotherapeutin zum Thema Babyblues gelesen habe, möchte ich euch heute meine Geschichte erzählen und Mut machen.

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich mich so sehr vor mir selber erschrocken habe. Wir waren eingeladen, ich war seit gut 8 Wochen Mutter oder sollte es sein. Das Kind war satt und müde und ich fuhr eine Runde mit dem Kinderwagen, damit er einschlafen konnte. Doch er wollte nicht. Er schrie und schrie und ich fuhr schneller mit dem Wagen. Merkte, wie hilflos ich wurde. Schaute mich um, ob ich alleine auf der Straße war. Hoffentlich sah mich keiner und merkte, wie alleine und hilflos ich war und wie ich in meiner neuen Aufgabe absolut versagte.

Ich hielt an und schrie in den Wagen „ du bist so ein dummes Kind, schlaf endlich!“

Doch lasst uns von vorn starten:

Da war er. Warm, weich und nass lag er auf meiner Brust. Er schrie nicht. Er atmete ruhig. Wow. Ich hatte es geschafft. 9 Stunden Geburt lagen hinter uns. Ich war entspannt, froh und sehr stolz auf mich und meinen Körper. Nach 2 Stunden zusammen im Kreißsaal, den ersten Stillversuchen und viel Staunen und Annähern wurden wir auf das Familienzimmer gebracht. Dort blieben wir bis zum nächsten Mittag und gingen dann nach hause.

Mir ging es körperlich sehr gut. Die Geburt war super verlaufen und ich hatte keine Verletzungen und so verließen wir das Krankenhaus recht zeitig. Obwohl ich selber Hebamme bin, hatte ich meine Kollegin gebeten bei mir das Wochenbett zu betreuen und ich wusste, sie würde heute noch nach hause kommen. Zuhause lief alles ziemlich gut. Ich schaffte es zu duschen, zu stillen, den Haushalt halbwegs zu schmeißen und das Kind zu versorgen und Besuch zu empfangen.

Mein Mann ging nach 2 Tagen wieder zur Arbeit. Wie vorher schon mehrfach gesagt und von allen erwartet „ ich bin Hebamme und Kinderkrankenschwester, wenn ich es nicht schaffe, wer dann“ ?! Genau 5 Tage nach der Geburt musste ich dann unerwartet und recht schnell in Vollnarkose operiert werden. Stillen für 2 Tage nicht mehr möglich. Wir mussten im Krankenhaus übernachten und danach täglich zur Kontrolle. Jeden Tag mit dem schweren Maxi Cosi ist Krankenhaus. Mein Mann dabei voll berufstätig und gerade ein riesiges Projekt am planen. Meine Eltern halfen mir so gut es ging, aber ich war fix und fertig.

Ich glaube dieses Ereignis hat uns komplett aus der Bahn geworfen. Der Rhythmus der zuhause so langsam Form annahm, war dahin. Ich konnte kaum laufen, sitzen oder stehen. Auf der Seite liegen, ging. Mehr leider nicht. Auch mein Sohn spürte meine Unzufriedenheit. Der Schlafmangel tat sein Übriges und zudem das Problem wieder genügend Milch zu bekommen, nachdem das Stillen für 2 Tage nicht möglich war.

Es regnete tagein tagaus. Um 15 Uhr fing es an, langsam zu dämmern und ich fing an durch die Wohnung zu rennen, um alle Lichter anzuknipsen. Ich fühlte mich so unwohl in meiner Haut. Ich hatte das Gefühl, niemandem mehr gerecht zu werden. Meinem Kind nicht, meinem Mann nicht und am schlimmsten, ich fühlte mich fremd in meiner Haut. Die neue Aufgabe als Mutter gefiel mir nicht- wo war ich denn? Ich war vorher selbstständig, hatte viel Zeit für Freunde, meinen Mann und vor allem für mich.

Ich hatte das Gefühl, nichts zu schaffen. Das Kind schrie sehr viel, zeigte mir deutlich nicht glücklich und ausgeglichen zu sein. Er schaffte es nur sehr schwer alleine in den Schlaf zu finden. Er litt unter Schlafmyoklonien.

Eine gutartige Form von Muskelzuckungen, die beim Eintritt von der Leichtschlaf- in die Tiefschlafphase auftreten. Es holte ihn aus seinen Träumen, ließ ihn hoch schrecken und nie zur Ruhe finden. Das machte mich fertig. Jedes Neugeborene schläft doch so viel und so friedlich zwischendurch. Die Mama kann mal duschen, was essen oder vor allem schlafen. Ich konnte es nicht. Ich musste ihn pucken, mit dem Wagen durch die Wohnung fahren oder ihn so fest halten bis die Müdigkeit gewann und er endlich schlafen konnte. Er schlief nie länger als 35 Minuten. Alle 2 Stunden wollte er trinken.

Ich fühlte mich elend. Völlig erledigt, kraftlos und ohne Freude und Spaß an meinem neuen Leben. Eines Nachmittags, ich denke er war ca.4 Wochen alt, schaute ich das Kind an und überlegte, was ich empfand.

Ich fand ihn süß und ich mochte es auch ihn zu kuscheln und zu küssen, aber wenn ich ehrlich zu mir selber war, ich empfand keine Liebe.

Diese Zeile jetzt zu schreiben, versetzt mir einen Stich ins Herz und lässt mein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber enorm wachsen. Dennoch weiß ich nun, dass ich trotzdem mein Bestes gab, um für mein Kind zu sorgen und da zu sein. Jedoch bin ich absolut sicher, dass es für ihn deutlich entspannter gewesen wäre, hätte er meine Mutterliebe von Anfang an bekommen.

Ich weinte sehr viel, war viel bei meinen Eltern zuhause, wo meine Mutter alles gab, um mir Mut zu machen, mir mehr Zeit zu geben. Ich hatte so eine Angst, das Gefühl was man als Mama doch haben soll, nicht zu bekommen. Meinem Kind nicht die Liebe geben zu können, die es verdient und so sehr braucht.

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich mich so sehr vor mir selber erschrocken habe. Wir waren eingeladen, ich war seit gut 8 Wochen Mutter oder sollte es sein. Das Kind war satt und müde und ich fuhr eine Runde mit dem Kinderwagen, damit er einschlafen konnte. Doch er wollte nicht. Er schrie und schrie und ich fuhr schneller mit dem Wagen. Merkte, wie hilflos ich wurde. Schaute mich um, ob ich alleine auf der Straße war. Hoffentlich sah mich keiner und merkte, wie alleine und hilflos ich war und wie ich in meiner neuen Aufgabe absolut versagte.

Ich hielt an und schrie in den Wagen „du bist so ein dummes Kind, schlaf endlich!

Ich weinte so sehr, dass ich mich nicht mehr beruhigen konnte. Ich wollte das alles nicht. Ich wollte diese Situation nicht, wollte das Kind nicht und wollte mich wieder unter Kontrolle haben. Ich hatte so ein Versagensgefühl, wie noch nie in meinem Leben. Am liebsten hätte ich den Wagen stehen gelassen und wäre weg gerannt. Weit weg. Egal wohin. Hauptsache alleine, wo mich niemand sieht oder mir kluge Ratschläge erteilen konnte. Wir fuhren direkt nach hause. Ich weinte so sehr, dass mein Mann nicht mehr wusste, wie er mir noch helfen sollte. Er zog meine Kleidung aus, legte mich ins Bett, streichelte mir über den Kopf und sagte, ich solle in Ruhe schlafen. Er würde sich kümmern und morgen würden wir in Ruhe reden.

Das taten wir. Er erzählte mir aus seiner Sicht, wie es für ihn war, mich und das Kind so zu sehen. Er wisse nicht mehr, wie er mir noch helfen sollte. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann von Geburt an, trotz reichlich Arbeit jede Nacht mit aufstand, mir half  und ein liebevoller und großartiger Vater war.

Wir vereinbarten, sollte es in den nächsten 14 Tagen nicht besser werden, würde er mir helfen,  professionelle Hilfe aufzusuchen. Ich war einverstanden und froh.

Ich fing an, mit Freunden zu sprechen, wurde offener meinen Gefühlen gegenüber und telefonierte viel mit meinen Mädels aus der Hebammenausbildung. Ich erfuhr von vielen Freunden um mich herum, dass ich nicht die Einzige war mit deutlichen Startproblemen und ich fragte mich, warum mir niemand vorher darüber erzählt hat. Auch während meinen Wochenbettbesuchen als Hebamme bei den Müttern zuhause, habe ich nie eine Frau gehabt, die mir ehrlich mal gesagt hat: mir geht’s schlecht. Ich kann das nicht!

Ist es Druck von Außen? Die perfekte Mutter zu sein!? Wann ist man das denn überhaupt? Muss man sofort nach der Geburt voller Liebe sein, übersprudeln vor Glück und Freude?! Wer sagt denn das?

Ich denke NEIN.

Wirklich schön und auch beneidenswert für alle die, die diese Gefühle unmittelbar nach der Geburt haben. Es macht es so viel leichter. Ich kämpfte jeden Tag, ging an die Luft, hörte Musik und kuschelte mehr und mehr mit meinem Sohn.

Eines Nachmittags Anfang Dezember spazierte ich mit dem Kinderwagen durch den Wald. An einer Lichtung blieb ich stehen und schaute in den Kinderwagen. In dem Moment kam die Sonne raus und schien Leonard direkt ins Gesicht. Ich schaute in sein Gesicht und spürte plötzlich ein Gefühl von Stolz.  Ich nahm Leo aus dem Wagen und küsste ihn und drückte ihn an mich.

Da war es! Endlich! Das erste Mal.

Ich empfand innige Liebe und Zuneigung.

Ich hätte vor Erleichterung weinen können.

Ich blieb noch eine Weile stehen, atmete tief durch, legte mein Kind zurück in seinen Wagen und fuhr langsam nach hause. Von diesem Tage an, wurden meine Gefühle immer stärker und das Traurige, Angstvolle und Deprimierende entwich. Nach ca. 14 Wochen ging es mir wieder gut. Ich fand mich selber wieder und meine Mutterliebe wächst seit diesem Zeitpunkt täglich ins Unmessbare.

Vielleicht hilft dies dem Ein oder Anderen zu seinen Gefühlen zu stehen. Offen und mutig zu sein.

Die Erwartungen, die andere und man selber an sich hat, nicht zu hoch zu bewerten.

Die Zeit des Kennenlernens ist so wichtig und braucht manchmal lange. Jedoch ist dies nichts, was man verurteilen oder belächeln sollte. Das Leben ändert sich um 180° und damit findet sich die Eine schneller zurecht und die Andere eben langsamer.

„Gut Ding will Weile haben“  hat mein Opa immer gesagt. Da ist sicherlich was Wahres dran.

 

Unsere Gastautorin Katharina ist 31 Jahre alt und Hebamme. Sie hat offen und ehrlich über ihre Probleme nach der Geburt ihres Sohnes Leonard gesprochen, danke dafür. Falls eine unter euch noch eine Nachsorgehebamme in Düsseldorf sucht, dann schreibt ihr doch an Hebamme-katharina@online.de oder folgt ihr auf Instagram unter @kleos_diary.

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@_lifeofbo - Brief an meine Tochter

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