Pflegekind - #papapapakind

Pflegekind - #papapapakind

Kurz zu uns, wir sind Micha und Thorsten. Nein wir teilen uns keine Junggesellenbude um Geld zu sparen oder um über Putzpläne zu streiten, sondern wir sind ein schwules Paar. Ja! – wir sind schwul! Im Jahr 2003 haben wir uns kennen gelernt und schnell wurde uns klar, dass wir untrennbar zusammengehören. Mittlerweile sind wir nun schon fast fünf Jahre verheiratet. Aber sind wir zu zweit schon eine „komplette“ Familie? Immer häufiger stellten wir uns diese Frage.  

Gehört zu einer Familie nicht immer auch ein Kind, dem man Liebe und Geborgenheit schenken kann? Möchte nicht jeder mindestens mit einem Kind am Esstisch sitzen und Werte, die man selbst mitbekommen oder sich erarbeitet hat, weitergeben? In einen Tierpark fahren, den Freifahrtschein haben jede Hüpfburg zu erobern? Oder endlich unseren hellblauen Lada auf den "Mutter-Kind-Parkplätzen vorm Einkaufstempel zu parken?

Auch wenn ich mich an den Dresscode der Pictogramme noch immer nicht gewöhnen kann, denn Röcke passen einfach nicht zu meinem geliebten Vollbart. Und wenn ich schon dabei bin. Sehr geehrte IKEA-Mitarbeiter, wir haben damals im Kindergarten nicht zusammen im Sandkasten gespielt, also bitte duzen Sie mich nicht.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Wieso, weshalb, warum ein Kind?

Weil es sich für uns richtig anfühlt.

Wenn man in einer klassischen Beziehung an diesem Punkt angelangt ist, beginnt „Sie“ vermutlich, Marmelade einzukochen und vieles „einfach süß“ zu finden und „Er“ sich im Online-Konfigurator von Volkswagen den T6 zusammenzustellen.

Für uns als schwules Paar stellt sich die Frage, woher nehmen und nicht stehlen?

Da es uns auf natürlichem Wege ja verwehrt bleibt, geht es heute schlichtweg darum, ob wir zu einer, für uns, „kompletten“ Familie werden können. In Deutschland gab und gibt es keine Möglichkeit für ein Paar mit eingetragener Lebensgemeinschaft, so wie die „Homo-Ehe“ nun mal heißt, ein Kind zu adoptieren. Frau Merkel sagte 2013: "Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass ich mich schwer tue mit der kompletten Gleichstellung (...) Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt." (Quelle: Tagesschau )

Da ich jetzt nicht über die rechtlichen Gegebenheiten schreiben möchte, würde ich an dieser Stelle vorschlagen, dass wir die Diskussion über das sog. „Kindswohl“ an anderer Stelle nochmal aufgreifen.

OK, da Adoptieren in Deutschland faktisch nicht möglich ist, mussten Alternativen her.

Auslandsadoption?

Klingt auf den ersten Blick ganz gut, dachten wir. Auf den zweiten dann nicht mehr. Auch hier ist in sehr vielen Ländern die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare schlichtweg verboten. Für die anderen Länder gibt es Organisationen, die die Vermittlung der Kinder übernehmen und hierfür mehrere tausend Euro in Rechnung stellen. Hinzu kommen Reisekosten, Arztkosten etc. Um ehrlich zu sein, für uns keine Option, denn wir wollten unser Familienglück nicht erkaufen!

Sharing-Methode

Was genau die „Sharing-Methode“ ist? Direkt und offen gesagt? Bei dieser Variante trifft sich ein schwules mit einem lesbischen Pärchen, tauschen Flüssigkeiten „auf welchem Weg auch immer“ aus und werden zu viert Eltern.  Auch wenn wir gesellige Menschen sind – aber das waren uns zu viele Menschen in einer Familie #papapapamamamamakind - ganz zu schweigen von der praktischen Umsetzung – hörte und fühlte sich für uns einfach falsch an.

Leihmutterschaft

Vielleicht ja eine Leihmutter? Wir waren mal auf einem Co-Eltern-Portal angemeldet. Zumindest dieses Portal war zu der Zeit sehr abschreckend, denn irgendwelche Frauen boten sich an gegen ein „geringes Taschengeld“ schwanger zu werden und das Kind danach „abzutreten“. Ohne jemandem auf die Füße treten zu wollen -  NEIN - wir wollen kein Kind kaufen. Hierzu fehlt uns der nötige Narzissmus.

Pflegeelternschaft

Da irgendwann in unserer Lokalpresse etliche Artikel und sogar Litfaßsäulen mit der Aufschrift „Pflegeeltern gesucht“ zu sehen waren, haben wir uns diesem Thema geöffnet. Doch am Anfang wussten wir gar nicht so genau, was Pflegeeltern grundsätzlich ausmacht. Also mussten wir uns informieren. Kurz zusammengefasst geben Pflegeeltern Kindern, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können oder dürfen, ein neues zu Hause. Unterschieden wird nach „Kurzzeitpflegestellen“ und „Dauerpflegestellen“. Wir haben wirklich lange überlegt und kamen zum Entschluss, dass die Dauerpflege etwas für uns sein könnte. Einem Kind, das in seinem kurzen Leben keine schönen Erfahrungen gemacht hat, ein geborgenes Zuhause mit Wärme und Liebe zu geben. Nach etlicher Recherche im Internet haben wir unseren Mut zusammengenommen und bei dem für uns zuständigen Jugendamt angerufen. Es war ein wirklich sehr angenehmes Telefonat, bei dem das, was wir von uns und unserem Leben erzählten, auch gut ankam. Doch dann kamen wir an die Stelle und erwähnten, dass wir „Mann + Mann“ sind. Die zuständige Sachbearbeiterin kam kurz ins Stocken – und erklärte das in solch einem „Fall“ eine Pflegschaft nicht möglich ist. Ich hakte nochmal nach, indem ich meine vorbereiteten Argumente versuchte auszuspielen, die ich durch die eingehende Recherche und das Lesen von Studien gesammelt hatte. Die Antwort war nur: „Junger Mann, ich mache das schon seit Jahrzehnten, und weiß sehr genau was gut für ein Kind ist und was nicht. Ich kenne viele solcher Leute wie sie, und die sind ja auch alle sehr nett. Sie können sich ja gerne schriftlich bewerben, aber Ihre Bewerbung wird immer unten im Stapel liegen bleiben.“

Das hat erst mal gesessen – und zwar so richtig.

Zeit ging ins Land, wir zogen von der Stadt aufs Land und das Kinderthema war erstmal in den Hintergrund gerückt. Irgendwann hat meine Mutter einen Zeitungsartikel auf den Tisch gelegt, in dem ein neues Zentrum für sozialpädagogische Pflegefamilien vorgestellt wurde. Da war es wieder das Kinderthema, aber meine Mutter hatte recht, der Artikel klang gut und sehr offen. Zu schön um wahr zu sein?

Lest mehr von unserer Geschichte beim nächsten mal.

Bis bald euer Micha und Thorsten


 
 

Die beiden "Neu"-Väter Micha und Thorsten berichten in Zukunft über ihre Geschichte als gleichgeschlechtliche Pflegeeltern. Für uns eine der spannendsten Geschichten die wir seit langem gehört haben. Spannende Eindrücke neben ihren Geschichten bei uns, findet ihr auch auf dem IG-Profil (@papa.papa.kind) der beiden, schaut doch mal vorbei.

Mr. X - beantwortet eure Fragen - second round

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