#fridad  - die "manchmal zärtlich - immer bärtlich" - Kolumne No.2

#fridad - die "manchmal zärtlich - immer bärtlich" - Kolumne No.2

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Und wenn dieser Eine nicht mehr allein reist, weil er jetzt seine ganz eigene Familie hat, dann hat er umso mehr zu erzählen.

Was war früher doch das Reisen entspannt #natürlichliebeichmeineFamilie.

An dieser Stelle eine Anmerkung des Autors: früher entspricht in der hier verwendeten Zeitrechnung immer der Zeit, in der man weder (Ehe-)Frau noch Kinder hatte.

Morgens haste `ne SMS bekommen:

Frage: „Ey, haste nich Bock, mich am Arsch der Welt zu besuchen“.

Antwort: „Klaro, bin quasi fast unterwegs, nur noch die Zahnbürste und `nen Wechselschlüppi einpacken“.

Und ja, SMS! Sowas wie Whatsapp, nur ausschließlich mit Text. Ohne Emojis, die den Text schonmal ersetzen können und damit gern zu Missverständnissen, Trennungen, Sodom und Gomorrha führen können. Und anstelle des Schreibens immer mal Wortfetzen in Form einer Audio ins Handy quasseln, hätte man damals auch schon probieren können. Das Handy hätte in dem Fall jedoch gar nicht gewusst, was Du von ihm willst. Und die Leute hätten womöglich gedacht, Du wärst vom Secret Service, oder ein Alien, das seine Armee auf die Erde beordern will.

Und heute so?

„Puh, ähm, Du, pffff.... ganz ehrlich? Wenn Du `ne Woche vorher Bescheid sagst, können wir sowas gern mal ganz spontan machen“ #wenndasKindnichtkrankist #oderesgradeinenachtaktivePhasehat #undeigentlichissesgradgrundsätzlichunpassend #undso.

Früher biste mit`m Mopped mal eben zur Ostsee geballert. Alles, was Du brauchtest, faktisch Dein gesamtes Equipment für `ne spontane Auswanderungsaktion, befand sich in diesem Haus aus Stoff auf deinem Rücken und nannte sich Rucksack. OK, Frauenhandtaschen werden ähnlich famose Survival-Eigenschaften nachgesagt. Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Was brauchtest Du denn damals auch? Wie oben teilweise schon geschrieben doch nur ein paar wenige Dinge:

Zahnbürste #PlaqueEpilierer? Check!

Slip #Bananenhängematte? Check!

Kamm #Läusegrubber? Check!

Deodorant #Truckerdusche? Check!

Socken #Fußpelle? Check!

... sowie Perso, Führerschein und ein paar Penunzen für den Sprit. Für Mopped UND Fahrer versteht sich. Navigiert wurde per analoger Straßenkarte, die sich nur einmal ent- aber niemals wieder GENAU SO zusammenfalten ließ #hatdasschonjemalseinervoneuchgeschafft??? 

Zum Kurztrip beim Kumpel angekommen, wurde zunächst ein Ghettostyle-Begrüßungsritual mittels abklatschen, Faust gegen Faust und so hingelegt, das seinesgleichen suchte. Um sich anschließend auf die Couch zu werfen und..... NICHTS zu machen. Mit `nem Bierchen dazu. Oder auch `ner Kiste. Um nicht ganz vom Fleisch zu fallen, wurde auch gern mal gemeinsam gekocht. Salami-Toast stand hoch im Kurs. Wenn’s denn eher so schickimicki sein sollte, dann gab’s halt `ne Bratschnitte aus der Pfanne. OK, kann man alles auch allein zuhause machen, aber allein nichts machen ist halt langweilig. Und der Mann ist nunmal - ihr werdet euch möglicherweise an meine letzte Kolumne erinnern - ein Rudeltier.

So sahen dann Kurzurlaube aus, mal eben über’s Wochenende. Richtige Urlaube mit den Kumpels gestalteten sich oftmals ganz ähnlich entspannt. Das Motto war eben damals, wie heute, CHILLEN. Nur, dass es das Wort damals noch nicht gab. Ganz wichtig dabei: man hat sich irgendwie ausschließlich um sich gekümmert. Das konnte man ganz gut. Man kannte sich eben und wusste, wie man selbst funktioniert, was man mag und was nicht.

Heute bedeutet gemeinsam nichts machen übrigens auf der Couch liegen und stundenlang in’s Handy gucken. Damals schaute man dafür stundenlang Zerhackerfilme von `ner Videokassette. So groß sind die Unterschiede also gar nicht.

Und Reisen heute so?

Heute muss alles von langer Hand, akribisch, generalstabsmäßig geplant werden. Immerhin zieht man in den Urlaubskrieg.

Wo früher die gesamte drölfköpfige Familie im unklimatisierten Trabi 15 Stunden auf drei Quadratmetern an den Balaton getuckert ist, herrschen heute Angst und Bange, dass die rollende Keksburg von Daimler oder Audi nicht doch viel zu klein sein könnte. Daher wird der Hausfrauenpanzer noch fix mit `ner farblich perfekt abgestimmten zweiten Etage in Form einer Dachbox geupgradet, um ihn im Windkanalvergleich endgültig vor der Schrankwand zu positionieren. Um das Bild abzurunden wird dazu noch ein vierfach-Trailer für den Fahrradfuhrpark auf die Hängerkupplung geflanscht. Man muss nunmal auch ein bisschen repräsentieren #Mannzeigtwasmannhat.

Wenn Du das Dickschiff dann derart präpariert hast, rennst Du stolz erhobenen Hauptes zur Muddi und bettelst schwanzwedelnd um ein Leckerli in Form eines „Schatz, ohne Dich wäre das alles gar nicht möglich!“ Wenn dann jedoch anstelle dessen ein „Ich hoffe, wir können den Kofferraum noch öffnen, damit das Haus in diesen umziehen kann!“ kommt, wird aus dem Leckerli ganz schnell ein Meckerli und du rennst wieder nach draußen, um so zu tun, als hättest Du alles im Griff und genau SO geplant.

Im besten Fall kannst du die Situation mit einem „Aber Schaaatzzz, der Trailer ist doch ankippbar, tsss!“ retten. Im schlechtesten Fall schraubst Du das ganze Konstrukt zunächst wieder ab und erzählst völlig überzeugt irgendwas von „Generalprobe geglückt“.

Iiiiirgendwann, am Tag X, geht’s dann tatsächlich los. Das Haus ist leer. Der Wagen mit all seinen Anbauten umso voller. Das zulässige Gesamtgewicht scharf angekratzt. Der Reifendruck auf 5 Bar erhöht. Der 60-Liter-Tank mit 65 Litern gefüllt. Die du dann aufgrund von Masse und Ausmaßen der Straßenblockade auf vier Rädern innerhalb der nächsten 300 Kilometer durch den Sportschlot jagen wirst.

Die ersten 35 Kilometer sind dann meist geprägt mit sowas wie:

„Irgendwas haben wir vergessen, ich spüre das.“

„Lockenwickler und Bügeleisen abgestellt?“

„Nee DU?“

„Scheiße, ich dreh um!“ #zumBeispielDirdenHals

Aber wenn diese kritische Zeit des Fahrtantritts geschafft ist, dann kann es auch ganz schön sein. Außer es ist Stau. Oder die Ausscheidung der Stoffwechselendprodukte aller Fahrzeuginsassen ist derart blöd getimt, dass alle zu `nem anderen Zeitpunkt „mal müssen“ und du somit nahezu alle Rasthöfe auf der Strecke kennenlernst. Oder eines der Kiddies ist überhaupt nicht so der Autofahrer und bringt dies durch rückläufige peristaltische Bewegungen zum Ausdruck bringt. Sprich es kotzt in’s Auto.

Der Grund, warum man früher Ledersitze und Küchenrolle im Auto hatte, war irgendwie ein angenehmerer...

Aber iiirgendwann ist man tatsächlich am Ziel seiner (Urlaubs-)Träume. Und der Urlaub kann so richtig beginnen. Also, nachdem man das Auto ausgekippt und den Inhalt im neuen Zuhause sorgsam verstaut hat. Und wenn Wetter ist. Weil schlechtes Wetter nunmal den Lagerkoller des Todes bedeutet.

Nein, früher war ganz und gar nicht alles schöner. Die Herausforderungen waren nur andere.

Und iiiirgendwie resümierst du oft, dass der ganze Stress ringsum gar nicht immer von den Kids ausging. Sondern den hast du dir hauptsächlich selbst gemacht #ichgebszuElternkönnenkompliziertsein #alsodieanderen. Die Kids wollen doch einfach nur eine schöne Zeit, einen schönen Urlaub haben. Die wollen uns nämlich gar nicht ärgern. Meistens zumindest. Wir müssen unseren Kids auch einfach mal ein wenig vertrauen. Und nicht von vornherein alles minutiös durchplanen. Zerdenken. Alle nur möglichen und unmöglichen Schreckensszenarien im Kopf durchspielen. Denn meist kommt es ohnehin ganz anders. Und sie denken sich ganz andere Szenarien aus! Nein, Spaß.  

Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Unser Urlaub erst recht! Es sind Höhepunkte, an die sich die Kids das ganze Leben erinnern werden. Und es liegt an uns, dass es schöne Erinnerungen sein werden. Bis sie auf die Welt gekommen sind, haben wir oftmals schon so tolle Dinge erlebt, so schöne Orte gesehen. Lasst sie uns ihnen zeigen. Sie erleben. Lasst bereits den Weg das Ziel sein. Der Urlaub beginnt nicht erst am Urlaubsort. Denn die größten Abenteuer passieren doch, wenn einer eine Reise tut. Erst recht, wenn er seine ganz eigene Familie dabei hat. Dann hat er ganz viel zu erzählen...

 

 

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